Mein Jahresrückblog 2025: Schmerzhaftes Loslassen auf verschiedenen Ebenen
- Susanna Rasch Autorin

- vor 6 Tagen
- 13 Min. Lesezeit

Jahresrückblog 2025: Eine intensive Lektion in Sachen Loslassen
Über vieles, was ich in 2025 erlebt und mich geprägt hat, habe ich im Laufe des Jahres bereits Blogartikel geschrieben.
Dieser Jahresrückblick im Rahmen der Challenge von Judith Peters soll deshalb keine Auflistung von Ereignissen sein, die über Monate verteilt passiert sind.
Er ist ein mein persönlicher Blick mit etwas Abstand – auf das, was geblieben ist, und auf das, was all diese Erfahrungen miteinander in 2025 verbindet: das Loslassen.
Mein 2025 war daher kein Jahr der großen Entscheidungen.
Ich musste handeln und loslassen. Nicht, weil ich mich darum gerissen hätte, sondern weil das Leben mich immer wieder gerne vor vollendete Tatsachen gestellt hat.
Egal, um welche Themen es in diesem Jahr ging: Sie waren immer irgendwie vom Loslassen geprägt.
Wie alles im Leben, hat auch das Loslassen zwei Seiten: eine sanfte und eine schmerzhafte.
Manchmal fühlt es sich leicht an – wie eine schwere Einkaufstasche, die wir endlich im Kofferraum abstellen können.
Und manchmal tut Loslassen so weh, dass es uns den Atem nimmt. Etwa dann, wenn wir einen geliebten Menschen ziehen lassen müssen.
In all seinen Varianten hat sich das Thema Loslassen durch mein Jahr 2025 gezogen.
Mal leise, mal brutal deutlich, selten freiwillig.
Und so widersprüchlich es klingt: Gerade weil dieses Jahr so sehr vom Loslassen geprägt war, bin ich inzwischen auch bereit, 2025 selbst gehen zu lassen.
Mit Respekt. Mit Dankbarkeit. Und mit einer leisen Neugier auf das, was da so kommt.
Denn 2026 steht im Zeichen des Feuerpferdes – wild, beweglich und voller Energie.
Vielleicht genau das, was nach einem Jahr des Stillhaltens und Aushaltens nötig ist.
Wenn Loslassen keine Metapher mehr ist
Loslassen ist eines dieser Worte, das sich auf Kalenderblättern gut liest und auf Teebeutel noch besser und wärmer anfühlt.
Mein 2025 hatte allerdings wenig mit wohlmeinenden Zitaten zu tun.
In diesem Jahr war Loslassen nichts Abstraktes, nichts Symbolisches.
Es war organisatorisch, körperlich, emotional und manchmal schlicht unausweichlich.
Es ging nicht darum, etwas bewusst gehen zu lassen, sondern darum, mit dem umzugehen, was sich bereits gelöst hatte.
Ich habe in diesem Jahr nicht entschieden, loszulassen.
Ich habe nur reagiert.
Erst mit etwas Abstand wurde mir klar, wie sehr sich all diese unterschiedlichen Themen gegenseitig spiegeln und irgendwie zusammenhängen.
Kinder, die ihren eigenen Platz im Leben gefunden haben.
Ein Körper, der Grenzen setzt.
Eine Vergangenheit, die sich noch einmal meldet, genau dann, wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt.
So hatte das Loslassen in 2025 viele Gesichter. Und keines davon war bequem.
Die schwerste Form des Loslassens
Wenn ich an 2025 denke, dann war das Loslassen unserer Kinder wohl der tiefste und schmerzhafteste Schnitt.
Eigentlich hatte alles schon im Jahr zuvor begonnen. Ende 2024 hatten wir ja die Kündigung des Wohnheimplatzes für unseren Kleinen erhalten und wussten nicht, wie es weitergehen soll.
2025 wurde dann aus dieser Unsicherheit Realität.
Zwar sind wir dankbar, weil wir einen neuen Platz für ihn gefunden haben.
Aber es bedeutet auch: Das Wohnheim ist weiter von uns weg. Er musste die Schule wechseln. Sich an neues Personal gewöhnen. Und er kommt nur noch jedes 2. Wochenende nach Hause.
Unser Kontakt besteht nun aus einem wöchentlichen Telefontermin. Wobei Telefonieren mit ihm kein Gespräch im klassischen Sinn ist, sondern eher unsere gemeinsame Zeit, um an seiner Stimme zu hören, ob es ihm gut geht.
Fröhlich erzählt er (zwar schon seit September), dass er den Buchstaben „Iii“ in der Schule „geschreibt“ hat und es bei jedem Telefontag Pizza zum Abendessen gibt. Dann bedankt er sich und wünscht uns eine gute Nacht.
Er legt bestens gelaunt auf, während ich noch schlucke, den Telefonhörer in der Hand halte, als könnte er doch noch in der Leitung sein.
Sogar hier haben wir immer wieder den Eindruck, er hat dieses Loslassen besser weggesteckt als wir Eltern.
Auch das Jahr 2025 begann mit einer erneuten Schnappatmung. Diesmal bei unserem Großen.
Der Urlaub mit Freunden auf den Seychellen war bereits gebucht, dann kam zwei Wochen vorher der Anruf aus dem Wohnheim, in dem er währenddessen untergebracht sein sollte: „Es tut uns leid … wir können Ihren Sohn in dieser Zeit doch nicht aufnehmen.“
Gibt es einen schlechten Aprilscherz vielleicht auch im Januar?
Für einen Moment wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.
Ich haderte mit mir, meinem Mann und dem Wunsch in den Urlaub zu fahren, meinem Vertrauen in das Leben – dass alles gut wird und meinem Glauben in das Universum.
Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch telefonierte ich an einem Freitag mit unzähligen Behörden, Ämtern, zuständigen Verantwortlichen und wir fanden schließlich doch noch eine Lösung.
Und diese Lösung wurde zu einem Wendepunkt.
Unserem Großen hat es in diesem Wohnheim so gut gefallen, dass er gleich ganz einziehen wollte. Schnappatmung. Wir wollten uns zwar schon zeitig mal um eine passende Wohnform für ihn umschauen ... seit September lebt er nun in dieser Außenwohngruppe.
So zufrieden, dass er uns neulich ganz beiläufig erklärte: „Ach weißt du, vielleicht besuche ich euch nächstes Jahr wieder.“
Ich war wieder an dem Punkt, an dem ich nicht wusste, ob ich lachen oder weinen sollte.
Dieses Loslassen war eindeutig der härteste Schritt in diesem Jahr.
Nicht nur, weil sich im Außen so viel verändert hat – Kinder außer Haus, sondern weil im Inneren etwas nachziehen musste, wofür es keinen Zeitplan gibt.
Lange hat mich eine Frage begleitet: Bin ich wirklich bereit dazu?
Meine ehrlichste Antwort lautet bis heute: Nein.
Aber sie sind es. Und das zählt.
Die ersten stillen und einsamen Abende waren geprägt von Tränen, Sehnsucht, Zweifeln und diesem nagenden Gefühl von Versagen, die wie eine Nähnadel immer wieder mitten ins Herz stach.
Mit etwas Abstand weiß ich heute: Sie gehörten dazu.
Mittlerweile gibt es Momente, in denen ich ganz deutlich spüre:
Es war die richtige Entscheidung.
Für sie. Für uns. Für uns alle.
Es beruhigt mich zu wissen, dass sie an sicheren Orten sind.
Dass sie dort vielleicht mehr Selbstständigkeit lernen dürfen, als wir es zu Hause je hätten ermöglichen können.
Dass sie genau so viel Unterstützung bekommen, wie sie brauchen – und vielleicht ein bisschen mehr Freiheit, als ich als Mama-Glucke bereit gewesen wäre zu geben.
Zusammengefasst fühlte sich mein Herz in diesem Jahr oft an wie ein Haus im Sturm.
Die Fenster und Türen klapperten, manche stand kurz davor, aus den Angeln zu fliegen.
Doch genau in diesem Sturm ist auch etwas gewachsen. Still, unaufgeregt und doch spürbar.
Die Mauern und das Fundament haben gehalten, und heute weiß ich: Es ist stabiler, als ich dachte. Und bereit, vorsichtig weiterzugehen.
Wenn der Körper nachzieht
Während im Außen vieles in Bewegung war, begann mein Körper leise nachzuziehen.
Nicht dramatisch. Nicht plötzlich.
Eher so, als hätte er beschlossen, mir auf seine ganz eigene Art mitzuteilen, dass auch er genug hatte.
Insgesamt habe ich in den letzten beiden Jahren drei Zähne losgelassen.
Drei!
Mein Kommentar beim Zahnarzt: „Drei bekommen und nur zwei bezahlen, wie aus der Werbung“ – kam dort weniger gut an als in meinem Kopf.
Humor hilft eben nicht überall. Schade eigentlich.
Die Implantate waren geplant. Organisiert. Fast schon sachlich.
Ein überschaubares Loslassen. Technisch lösbar, mit Terminplan und Betäubung.
Im Vergleich zu allem anderen fühlte sich das beinahe wie eine Entspannungsübung an.
Weniger entspannt wurde es, als mein Körper begann, auf eine Weise zu reagieren, die sich nicht mehr einordnen ließ.
Bauchkrämpfe. Entzündungswerte im Keller.
Untersuchungen, Blutabnahmen, Stirnrunzeln.
Und immer wieder dieser Satz: „Wir finden nichts Eindeutiges.“
Ich weiß noch, wie ich irgendwann sogar kurz an Malaria dachte.
Nicht, weil es realistisch war, sondern weil mein Bedürfnis nach einer Erklärung größer war als meine Angst vor der Diagnose.
Was blieb, war das Gefühl von Kontrollverlust.
Und die Erkenntnis, dass auch der Körper loslassen kann – nicht bewusst, nicht elegant, sondern auf seine ganz eigene, unbequeme Weise.
Heute, mit etwas Abstand, sehe ich darin weniger ein medizinisches Rätsel und mehr eine Reaktion.
Auf ein Jahr, das viel verlangt hat.
Auf ein Leben, das sich neu sortiert hat.
Auf ein Innen, das dem Außen irgendwann folgen musste.
Ich habe gelernt, auch hier loszulassen:
die Suche nach schnellen Antworten und Erklärungen für alles,
den Wunsch, jede Situation im Griff zu haben,
die Vorstellung, jeden Schritt perfekt einordnen zu können.
Wenn die Vergangenheit noch einmal anklopft
Manche Jahre bringen nichts Neues hervor, sondern holen Altes zurück an die Oberfläche. Nicht laut. Nicht fordernd.
Eher wie ein leises Klopfen, genau in dem Moment, in dem man glaubt, einen Abschnitt abgeschlossen zu haben.
2025 wurde unser Großer volljährig.
Achtzehn Jahre Leben. Achtzehn Jahre Verantwortung. Achtzehn Jahre Weg.
Und gleichzeitig sind es achtzehn Jahre, seit wir seinen Papa loslassen mussten.
Während unser Sohn einen neuen Lebensabschnitt betrat, stand plötzlich wieder diese Vergangenheit im Raum.
Nicht als offener Schmerz, sondern als stille Präsenz.
Ich habe darüber bereits ausführlich einen Blogartikel geschrieben, weil manche Gedanken mehr Raum brauchen, als ein Jahresrückblick ihnen geben kann.
Hier möchte ich nur festhalten, was geblieben ist:
Dass Loslassen kein einmaliger Akt ist.
Dass Trauer sich verwandelt, aber nicht verschwindet.
Und dass das Leben manchmal Kreise schließt, während es gleichzeitig neue öffnet.
Die Volljährigkeit unseres Sohnes war kein Abschied im klassischen Sinn.
Eher ein inneres Innehalten.
Ein Anerkennen dessen, was war – und dessen, was trotz aller Umstände möglich wurde.
Vielleicht war genau das der stille Kern dieses Jahres 2025:
Nicht alles loslassen zu müssen, sondern dem, was bleibt, einen neuen Platz zu geben.
Sichtbar werden – trotz allem
Es gab in diesem Jahr auch Momente, die sich nicht nach Loslassen, sondern nach Ankommen angefühlt haben.
Nicht laut. Nicht selbstverständlich. Eher wie kleine Inseln mitten im Trubel.
Mein Autorenvertrag für den Roman „Das Lebensrad“ war so ein Moment.
Nach einigen Bewerbungen bei Agenturen und den dazugehörigen Absagen hatte ich innerlich schon begonnen, meinen Traum leiser zu drehen. Dann stolperte ich eher zufällig über einen Aufruf in einer Zeitschrift: Fünf Autor:innen sollten die Möglichkeit bekommen, ihr Buch in dem Zeitschriftenverlag zu veröffentlichen.
Direkt nach unserem Urlaub auf den Seychellen habe ich mein Exposé abgeschickt – und eine Zusage bekommen.
In diesem Moment hätte ich die ganze Welt umarmen können.
Es war stets der Traum gewesen, meinen Roman über einen Verlag zu veröffentlichen. Irgendwie trug ich schon immer die fast filmreife Vorstellung in mir: Es würde an meiner Tür klingeln, vor dem Haus stünde eine schwarze Limousine, und ein Herr im schwarzen Anzug würde mein Manuskript persönlich abholen. Was für eine magische Szene.
Selfpublishing fühlte sich für mich lange an wie ein Buch mit sieben Siegeln.
Heute, nach vielem Hin und Her, vielen Entscheidungen und nicht wenigen Kosten, weiß ich: Ich würde mir diesen Weg inzwischen sogar zutrauen.
Und trotzdem habe ich mich bewusst für den Verlag entschieden.
Nicht aus Naivität, sondern aus Hoffnung auf Reichweite.
Auf mehr Menschen, die meine Geschichten erreichen können.
Auf Sichtbarkeit in einer Welt, die etwas Liebe und Humor gebrauchen kann.
Ursprünglich sollte mein Roman noch 2025 erscheinen.
Nun wird es wohl Anfang 2026.
Und auch das ist Teil dieses Jahres: Dinge dürfen sich verschieben, ohne ihren Wert zu verlieren.
Ich glaube an mich und mein Schreiben.
Und ich glaube an diesen Roman. Die Kraft und die Magie meiner Worte.
Unabhängig davon, wie der Weg am Ende verläuft.
Sichtbarkeit in einem Büchermagazin
Ein weiterer stiller Meilenstein war mein erster Auftritt in dem Büchermagazin auf Seite 108 von Steffi Schmid.
Eigentlich hatte ich gedacht, mein Roman wäre zu diesem Zeitpunkt schon erschienen. Der Link blieb leer.
Aber trotzdem durfte ich mich vorstellen – als Autorin.
Zum ersten Mal sprach ich dieses Wort nicht nur in Gedanken aus.
Ich ließ es über meine Lippen kommen und schrieb es in den Artikel.
Und erlaubte mir, stolz zu sein.
Noch mehr Sichtbarkeit
Das Fotoshooting war fast schon eine logische Konsequenz.
Neue Texte. Neues Buch. Neue Bilder.
Daniela Just, die ich schon von unseren Familienfotos kannte, begleitete mich wieder mit ihrer ruhigen und einfühlsamen Art.
Diesmal haben wir die Aufnahmen bei uns zu Hause und im Ort gemacht. Kam mir schon wie ein kleiner Star vor.
Und tatsächlich gab es zwischendurch Momente, in denen ich innerlich wirklich loslassen konnte.
Die Zweifel – an mir selbst und meinem Weg.
Die Unsicherheit – in meinem Innersten und meinen Entscheidungen.
Die Angst – vor dem nächsten Schritt und dem Scheitern.
Ich stand dort nicht als Mutter, nicht als Organisatorin, nicht als die, die alles zusammenhält.
Sondern als Autorin. Professionell. Bereit, sichtbar zu sein.
Und ja – meine Zahlen
Im letzten Jahresrückblog stand hier unter Zahl der veröffentlichen Blogartikel:
1 Blogartikel.
War das peinlich und das wollte ich unbedingt ändern.
Ich habe es auch geändert.
Es sind in diesem Jahr 5 Blogartikel geworden. Keine Zahl, die die Welt aus den Angeln hebt, aber mich trotzdem stolz macht.
Wenn die Kinder leuchten
Zwischen all dem gab es immer wieder Augenblicke, in denen meine Kinder mir gezeigt haben, was Wachstum wirklich bedeutet.
Als unser Großer zu den Special Olympics nach Erlangen fahren durfte, waren wir einfach nur stolz.
Und er war es auch.
Das Rahmenprogramm, die Stimmung und die Fotos mit den Polizeianwärterinnen, bei denen die Polizisten recht schnell wieder aus dem Bild geschoben wurden. Hübsche Frauen hatten eindeutig Priorität.
Auch im Fußballcamp bei den Schanzern in Ingolstadt zeigte sich, wie sehr sich Rollen verändern dürfen.
Früher selbst Teilnehmer, jetzt volljährig – die Organisatoren wollten ihn trotzdem dabei haben – nur plötzlich auf der anderen Seite.
Also stand er bei den Betreuern, teilte Essen aus, holte Wasserflaschen, übernahm Verantwortung.
Und landete sogar in der Zeitung.
Wir haben all das eher still beobachtet.
Und innerlich gejubelt.
Weil er seinen Weg geht , auf seine Art.
Atemholen und Verbundenheit
Der Urlaub auf den Seychellen war ein tiefes Luftholen und langes Ausatmen.
Drei Geburtstage, darunter ein Sechzigster und mein eigener, mitten in einer Landschaft, die dem Paradies gleicht. Darüber habe ich schon einen Blogartikel geschrieben. Aber was hier vor allem geblieben ist, dieses Gefühl: Wir dürfen uns auch zwischendurch halten und vom Leben tragen lassen.
Ein kleiner, fast unscheinbarer Moment war der Kauf von Edelsteinen.
Unspektakulär. Aber irgendwie symbolisch.
Drei davon stehen heute auf meinem Schreibtisch und erinnern mich daran, dass manche Dinge einfach gut tun dürfen, ohne erklärt zu werden.
Und dann war da noch das Handballspiel im SAP Garden in München.
Deutschland gegen Island.
Dank einer ganz lieben Freundin, mit meiner ältesten Schulfreundin und vielen Erinnerungen im Gepäck.
Nostalgie pur.
Gedanken an alte Trainingshallen tauchen auf, an Hendrik Ochel, der damals bei Milbertshofen in der Bundesliga spielte und in den wir kollektiv ein bisschen verliebt waren und den wir leider an diesem Tag nicht getroffen haben. Dazu die charmante Erkenntnis, dass die heutigen gutaussehenden Spieler so jung sind, dass wir ihre Mütter sein könnten.
Trotzdem ein wunderschöner Nachmittag, der sich anfühlte wie ein leiser Gruß aus einer anderen Zeit und gleichzeitig wie ein Ankommen im Jetzt.
Mein Fazit – was von 2025 bleibt
Wenn ich 2025 in einem Wort beschreiben müsste, wäre es: Loslassen.
Nicht als große Geste, sondern in vielen kleinen, oft unbequemen Momenten.
Manchmal bewusst, oft gezwungen, selten elegant.
Und doch ist da etwas geblieben.
Ich bin stolz auf mich.
Nicht auf eine einzelne Entscheidung, sondern auf viele kleine Schritte, die man von außen vielleicht gar nicht sieht.
Zum Beispiel darauf, dass ich in einem Formular bei „Beruf“ ganz selbstverständlich Autorin eingetragen habe.
Ohne Relativierung. Ohne inneres Räuspern. Einfach so.
Und ja, ich bin sogar stolz darauf, dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben getraut habe, eine Packung schimmliger Wiener bei Aldi zurückzugeben.
Das Hauptnahrungsmittel unseres Kleinen sind neben Gummibärchen fast ausschließlich Wiener. Da lohnt sich die 1-Kilo-Packung schon aus Prinzip.
Jahrelang habe ich schlecht gewordene Lebensmittel einfach entsorgt. Kommentarlos, auch wenn das Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen war.
Bis ich vor ein paar Wochen eine ältere Dame beobachtet habe, die völlig selbstverständlich verschimmelten Käse reklamierte.
Und ich dachte: Warum eigentlich nicht?
Diese Woche stand ich also selbst an der Kasse, zeigte meine Wiener vor und durfte mir eine neue Packung holen.
Es klingt banal.
Aber für mich war es ein kleiner Akt der Selbstachtung.
Und darauf war ich ehrlich stolz.
2025 hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, mich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren.
Jetzt, wo die Kinder ihren eigenen Weg gehen, erlaube ich mir wieder mehr, meinen zu spüren.
Ich achte darauf, was mir gut tut.
Meditieren.
Morgenseiten schreiben.
Eine Duftkerze anzünden.
Ein Mittagsschläfchen.
Und vor allem: mich nicht mehr dafür zu verurteilen.
Bei meinen Routinen habe ich auch gelernt, dass ich immer wieder neu anfangen darf.
Wie wichtig es ist, immer wieder neu anzufangen.
Ohne Schuldgefühl.
Ohne inneren Druck.
Dankbarkeit
Dankbar bin ich für vieles.
Dafür, dass meine Kinder ihren Weg gehen.
Dafür, dass ich mir wieder wichtig bin – als Susanna.
Und dass meine Träume wieder Platz haben.
Dankbar bin ich auch für die guten Zeiten mit meinem Papa.
Auch wenn es gerade schubweise wieder schlechter geht.
Auch wenn er viel schläft.
Auch wenn er uns manchmal anschaut wie ein Relikt aus alten Zeiten, obwohl er uns noch erkennt.
Und ich bin dankbar dafür, dass ich das Leben trotz allem noch fühlen kann.
Dass ich es nicht nur aushalte, sondern stellenweise immer noch umarmen möchte. Spaß haben und vor Freude tanzen möchte.
Zurücklassen
Alles, was mir nicht gut tut!
Wenn es nur so einfach wäre.
Zurücklassen klingt immer so leicht. Als würde man einfach eine Tür schließen und weitergehen. Doch alles loszulassen, was einem nicht guttut, ist oft ein leiser, zäher Prozess.
Das Leben besteht schließlich nicht nur aus Licht, sondern auch aus Schatten: Wut, Frust, Ärger und all den Energien, die sich manchmal wie klebriger Ballast anfühlen. Und trotzdem liegt genau darin eine Chance – Schritt für Schritt zu entscheiden, was bleiben darf und was gehen muss.
Mitnehmen
Es gibt Dinge, die ich bewusst mitnehmen möchte, weil sie mich daran erinnern, dass das Leben nicht nur aus Pflichten besteht, sondern auch aus Freude, Neugier und Lebendigkeit. Dinge, die mir zeigen, dass ich mir selbst Raum geben darf – ohne schlechtes Gewissen:
Für Dinge, die mir Freude machen.
Für Zeit, die ich mir für das nehmen, die mich wirklich interessieren.
Für Kurse, in die ich aus Neugier und Selbstfürsorge investiere.
Für Wege, die nicht „vernünftig“, sondern lebendig und voller Lebensfreude sind.
Mein Ausblick auf 2026
2026 steht im Zeichen des Feuerpferdes: Das nach vorne drängt, Funken schlägt und uns einlädt, mutiger zu werden, als wir es vielleicht gewohnt sind.
Das Feuerpferd bringt Bewegung, Leidenschaft und eine rebellische Kraft mit sich.
Es erinnert uns daran, dass wir nicht nur funktionieren, sondern leben dürfen: wild, entschlossen, voller innerer Glut. Ein Jahr, das uns auffordert, unsere eigenen Wege zu gehen und dabei ruhig ein bisschen Staub aufzuwirbeln.
Nach einem Jahr des Loslassens fühlt sich 2026 für mich nach Bewegung an.
Nicht nach Hast. Nicht nach höher, schneller, weiter.
Sondern nach einem inneren Vorwärtsgehen – aus eigener Kraft.
Ich möchte mich bewegen lassen, nicht antreiben.
Ich möchte Entscheidungen treffen, die sich lebendig anfühlen, nicht vernünftig.
Und ich möchte mir erlauben, Dinge zu beginnen, auch wenn ich noch nicht weiß, wo sie enden.
Ich werde weiterhin schreiben.
Mit weniger innerem Druck und mehr Vertrauen.
Ich werde meinem Buch den Raum geben, den es verdient – unabhängig davon, wie der Weg im Detail aussieht.
Und ich werde mir selbst erlauben, sichtbar zu sein, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen.
2026 darf ein Jahr sein, in dem ich
meinem eigenen Rhythmus vertraue,
mir Pausen genauso erlaube wie Aufbrüche,
meine Energie schütze und meine Freude ernst nehme.
Nicht alles muss wachsen. Aber manches darf sich entfalten.
Mein Motto für 2026
Ich wähle das Lebendige.
Auch wenn es nicht perfekt ist, sich aber nach mir anfühlt.
Und ich erlaube mir, ihm zu folgen.
Ich gehe weiter. Nicht, weil ich muss. Sondern weil ich will.

Wenn dich dieser Rückblick berührt hat, wenn du dich in manchen Zeilen wiedergefunden hast oder einfach ein Stück mitgehen möchtest:
Dort teile ich meine Gedanken über das Leben und das Schreiben und all das, was da noch so dazwischen liegt.
Ich freue mich, wenn wir uns dort wieder lesen.



























































Ein bewegender Rückblick, liebe Susanne, und viel Erfolg für dein Buch! Herzlich, Carla